Pål H. Christiansen

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"Ein bisschen Fjodor steckt in uns allen"

Pål H. Christiansen über seine Kinderbücher - Interview von Annette Schwindt und Thomas Reis

Wie bist Du auf die Idee gekommen, über einen Dorsch und einen kleinen Jungen zu schreiben, die Freunde werden?

Pål H. Christiansen: Die Idee für "Fjodor går bananas" fand ich in einem Text, den ich vor 20 Jahren geschrieben hatte. Zu dieser Zeit verbrachte ich gerade einige Monate in Lillehammer und setzte mich jeden Tag an meine alte Schreibmaschine, um aufzuschreiben, was immer mir einfiel (einige dieser Texte wurden später Teil meines Romans "Harry var ikke ved sine fulle fem", 1989).
Eines Tages setzte ich mich hin und fing an, über einen Mann in Regenmantel und Gummistiefeln zu schreiben, der mit einer Tasche in der Hand aus dem Meer kommt. Ein Junge steht am Strand und die beiden unterhalten sich. Dann endete der Text. Dieser Text sollte die Inspiration für meinen Roman "Neer" (1996) werden, in dem auch der Vater aus dem Meer kommt. Aber ich verwendete nicht diesen Text selbst, sondern nur die Idee von jemandem, der aus dem Wasser kommt.

Warum hast Du angefangen, Kinderbücher zu schreiben, nachdem Du schon so lange Bücher für Erwachsene geschrieben hast?

PHC: Ich bekam einen Anruf vom Verlag N.W Damm & Søn in Oslo. Das war 2004, glaube ich. Sie wollten, dass ich anfange, für sie Kinderbücher zu schreiben, und ich fand die Idee interessant. Ich hatte ohnehin all die Jahre immer wieder darüber nachgedacht, weil ich wusste, dass mein Schreibstil auch für Kinder geeignet sein könnte. Und so fing ich an, mir etwas zu überlegen und nach Ideen zu suchen. Ich sah altes Material durch und fand das Original über den Mann im Regenmantel, das ich 1987 geschrieben hatte. Dieser Text war in einer Art naiven Prosa geschrieben, die für Kinder geeignet ist. Und so beschloss ich, die Geschichte von da weiter zu schreiben, wo sie begonnen hatte.

Woher kam die Inspiration für den Beruf von Palles Vater, der Fische im Meer mit Säge, Hammer, Nägeln und Klebeband repariert?

PHC: Ich musste mir zwei wichtige Fragen stellen. Erstens: Was hatte der Vater in seiner Tasche? Er musste etwas Wichtiges mitbringen, soviel war klar. Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind selbst immer in die Tasche meines Vaters geschaut habe, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Hatte er etwas Süßes für mich mitgebracht, oder einen Bleistift oder etwas anderes? Er hatte oft etwas für mich dabei. Die zweite Frage lautete: Warum kam der Vater aus dem Meer? Die Antwort auf die erste Frage war offensichtlich für mich. Er hatte einen Dorsch in seiner Tasche. Ich schreibe in vielen meiner Bücher über Dorsche, ich kann nicht sagen warum. Nachdem die erste Frage beantwortet war, war die Antwort auf die zweite ganz einfach: Der Vater war bei der Arbeit gewesen, er hatte einen Fisch bei sich und seine Arbeit bestand darin, Fische und andere Geschöpfe im Meer zu reparieren.

Wer kümmert sich eigentlich um Palle, während sein Vater im Meer arbeitet und seine Mutter als Stewardess um die Welt fliegt? Möchte Palle deshalb einen Freund, der immer da ist?

PHC: Ihr meint, keiner kümmert sich um Palle? Den ersten Teil dieser frage finde ich ein wenig "politisch korrekt". Andererseits ist Palle tatsächlich ein wenig einsam und braucht einen Freund. Aber wer tut das nicht? Die Sache ist die, dass ich keine realistischen Geschichten schreibe. Und über die Sache mit dem Kümmern wundern sich junge Leser überhaupt nicht.

Ist Fjodor die dunkle Seite von Palle? Fjodor ist immer ungezogen, laut und macht Sachen kaputt, während Palle dazu gezwungen wird, wie ein Erwachsener die Verantwortung zu übernehmen.

PHC: Fjodor ist die dunkle Seite von uns allen und das gilt auch für Palle. Haben wir nicht alle schon jemanden wie Fjodor getroffen? Fjodor zwingt Palle dazu, ihm Grenzen zu setzen und das bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Die Band Vikingarna mit ihrem Sänger Christer Sjögren ist der Running-Gag der Fjodor-Bücher. Wissen sie davon und was denken sie darüber?

PHC: Soweit mir bekannt ist, wissen sie nichts davon. Vikingarna hat vor ein paar Jahren aufgehört, als Band aufzutreten. Aber Christer Sjögren macht solo weiter und hat großen Erfolg in seinem Heimatland Schweden und auch hier in Norwegen. Ich denke, die Vorstellung, eine Rolle in einer Serie von Kinderbüchern zu spielen, würde ihnen gefallen, solange sie vom Autor nicht schlecht behandelt werden. Diese Art Tanzmusik gehört ganz und gar nicht zu meiner Lieblingsmusik. Aber Palles Vater findet Vikingarna ganz toll und im dritten Buch bekommt er schließlich die Möglichkeit, mit Christer zu sprechen.

Die Fjodor-Bücher sind für Leseanfänger geschrieben. Und auch wenn der Text leicht verständlich ist, ist er in poetischer Form geschrieben und durchdacht komponiert. Wie lange arbeitest Du an einem solchen Text und wie gehst Du dabei vor?

PHC: Nachdem ich drei Bücher über Fjodor und Palle geschrieben habe ("Fjodor og det store smellet" erscheint im Februar 2008), kann ich sagen, dass der Schreibprozess jeweils etwas mehr als ein Jahr dauert. Glücklicherweise kann ich eng mit meinem Lektor zusammenarbeiten. Das heißt ich kann ihm zunächst E-Mails mit Skizzen, Ideen und Fragmenten einzelner Szenen schicken. Anhand seiner Kommentare dazu arbeite ich dann weiter bis ich das Gefühl habe, es ist Zeit für ihn, es sich wieder anzuschauen. Wenn die Geschichte so gut wie fertig ist, beginnt die Illustratorin ihre Arbeit anhand wichtiger Szenen, die wir dafür aussuchen. In den letzten Monaten werden dann die Korrekturen gemacht, die Länge der Sätze muss an die Buchseiten angepasst werden und Text und Illustrationen müssen zueinander passen.

Im Herbst 2007 hast Du eine Tour durch norwegische Schulen gemacht und Fjodor vielen Kindern vorgelesen. Die Tour wird Anfang 2008 fortgesetzt. Wie haben die Kinder bisher reagiert, was denken sie über Fjodor und was waren Deine persönlichen Eindrücke dabei?

PHC: Ich habe Erst- bis Viertklässler in verschiedenen Schulen besucht. Die meisten Kinder fanden die Geschichten von Fjodor und Palle gut. Wir haben über Humor und Grenzen-setzen geredet. Die Kinder fanden Fjodor frech, aber auch lustig. Manche waren auch etwas irritiert von diesem unmöglichen Fisch! In diesem Alter haben Kinder oft eine stärkere Vorstellungskraft als der Autor selbst. So erzählte mir ein Junge, er hätte "Fjodor går bananas" zuhause als Video. Das hat mich natürlich interessiert, weil ich erstens an das Geld dachte, das mir keiner dafür gezahlt hatte, und zweitens weil das Buch so neu ist, das nie jemand die Zeit hätte haben können, einen Zeichentrickfilm daraus zu machen. Ich versuchte also, ihm zu widersprechen. Einmal, zweimal, sogar dreimal. Aber jedesmal sagte er, das wäre so. Und schließlich meinte er mit fester Überzeugung: "Ich hab das Video schon so oft gesehen, dass es ganz ausgeleiert ist!" Ich wollte mich nicht mit ihm streiten, also nickte ich nur, schenkte ihm mein freundlichstes Lächeln und machte mit meiner Lesung weiter.

Die Geschichten von Palle und Fjodor sind einfach perfekt für Kinder. Aber bis jetzt wurden sie nur in norwegischer Sprache veröffentlicht. Wäre das nicht auch ein gutes Geschäft für ausländische Verlage?

PHC: Ja sicher! Mir wurde gesagt, dass sich bereits mehrere Verlage "Fjodor går bananas" und ich glaube auch "Fjodor i fritt fall" angesehen haben. Aber da es sich dabei ja um eine Serie von Kinderbüchern handelt, ist es normal, darauf zu warten, bis mehrere Bücher erschienen sind. Erst dann wird darüber entschieden, ob die Serie als Ganzes übersetzt wird. Daher hoffe ich jetzt, dass sich etwas tut, wenn im kommenden Jahr "Fjodor og det store smellet" erschienen ist.

Fjodor und Palle lernen sich im ersten Buch kenne und werden Freunde, weil der Fisch von Palles Vater repariert werden muss. Als Palle mit seinen Eltern im zweiten Buch in Urlaub fährt, folgt Fjodor ihnen und bringt wieder alles durcheinander. Im dritten Buch entdeckt Palle schließlich Fjodors Welt im Meer. Wird es weitere Bücher geben und was passiert als nächstes? Wird Fjodor Palle in die Schule folgen? Oder fliegen sie zusammen zum Mond? Gibt es schon konkrete Pläne?

PHC: Es wird ein weiteres Buch über Fjodor im Jahr 2009 geben. Das steht schon fest. Aber was danach kommt, ist noch nicht raus...

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